„Wir sind uns sehr ähnlich“

Seelower Pennäler gehen eine Woche in Belarus zur Schule

Brest. Woran denkt man, wenn man Brest und Belarus hört? Einigen fallen dann Wörter wie alt, rückständig, unsauber oder unfreundlich ein. Aber kann man sich eine Meinung bilden, wenn man noch nie da gewesen ist? Ein Urteil von Brest und Belarus haben sich Jugendliche aus unserer Region diese Woche gebildet. Sie sind derzeit wieder zu Besuch in der belarussischen Grenzstadt Brest. Die Partnerschaft zwischen dem Seelower Gymnasium und der Brester Schule Nr. 7 besteht mittlerweile schon seit 1996. Erst vergangenes Jahr waren weißrussische Schüler zu Gast in Märkisch Oderland, dieses Jahr sind die deutschen Schüler mit einem Gegenbesuch an der Reihe. Vergangenen Montag fuhren sie nach Brest. In der Schule Nr. 7 trafen sie auf die belarussischen Schüler und wurden in Gastfamilien eingeteilt.

Sie gefällt mir sehr gut“, sagt Andreas Schoop (14)von seiner Gastfamilie und fügt hinzu: „Mein Gastbruder ist nett und wir unternehmen viel zusammen“. Deutsche und belarussische Schüler gehen gemeinsam in den Park, ins Kino, ins Schwimmbad oder Bowlen. Tagsüber arbeiten die Teilnehmer in Gruppen. Zur Auswahl standen vier Workshops, die sich mit Fotografie, Video, Politik und Journalismus beschäftigen. Alle haben das Ziel, Belarus den Deutschen auf unterschiedlichste Weise vorzustellen, Vorurteile abzubauen und sich differenzierte Meinungen voneinander zu bilden. So üben sich die Schüler an verschiedenen Aufgaben: Die Fotogruppe geht oft durch die Stadt, um viele kleine Details von Brest zu fotografieren. Diese Bilder werden dann in einer Fotoshow mit Musik verarbeitet.

Am ersten Tag lernten die Teilnehmer der Videogruppe wie man die Kamera bedient. Als das geschafft war, gingen sie zu den anderen Gruppen und dokumentieren nun ihre Arbeit. Ihr Ziel ist es, ein Video über die Arbeit aller Teilnehmer zu erstellen. Die Journalismusgruppe arbeitete gleichzeitig an mehreren Aufgaben: Sie aktualisiert die bestehende Brest-Trebnitz-Internetseite, führt Radiointerviews mit den Teilnehmern durch und auch dieser Artikel entstand in ihrem Rahmen. Die Politikgruppe klärt zunächst Fragen über Herrschaftsformen, soziale Fragen, Geschichtspolitik und andere wichtige Aspekte. Am Ende der Woche werden sie die Ergebnisse ihrer Gespräche in einem kleinen Schauspiel vorstellen.

Neben der Arbeit kommt auch der Spaß nicht zu kurz: „Ich verbringe meine Freizeit hier mit meiner Gastschwester. Sie ist immer bei mir und zeigt mir die Stadt; das gefällt mir“, sagt die Achtklässlerin Michelle Kamke (14) . Die Belarussen zeigen den Deutschen ihre Heimatstadt. Dabei war auch eine Exkursion in die Brester Festung, wo unter anderem ein Kriegsveteran über den Zweiter Weltkrieg im Gebiet Brest erzählte. Für Elise Wendorff (14) eine prägende Erinnerung. Die Festung sei für sie interessant und ihr gefalle, dass sie gut in Stand gehalten wird. Denn auch Jugendliche pflegen das heutige Denkmal.

Die deutschen Teilnehmer haben die Belarussen im Laufe des Projektes besser kennengelernt. Die Meinungen voneinander unterscheiden sich nicht sehr, glaubt der 17-jährige Robin Steinring. Einen Unterschied sieht er in der viel beschworenen Gastfreundschaft der Belarussen, die sich hilfsbereiter zeigen. Anton Nikolaew sieht ebenso keine großen Unterschiede zu seinen deutschen Mitschülern auf. „Wir sind uns sehr ähnlich, die Deutschen machen in ihrer Freizeit das gleiche wie wir“, meint der 14-jährige Anton Nikolaew. Und das sei eine gute Grundlage für Freundschaften zwischen den Schülern. Deswegen fällt es allen am Samstag Abend wieder schwer bis zum nächsten Jahr auf „Do swidanja“, auf Wiedersehen, zu sagen.